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Eisstocksport

 

Der Eisstocksport - ein Volks- und Leistungssport zugleich

 

Der Eisstocksport gehört zu den ältesten Wintersportarten in den Alpenländern. Die ersten Formen eines Wurf- und Schubspiels entstanden etwa im 13./14. Jahrhundert in Skandinavien und breiteten sich dann weiter nach Mitteleuropa aus. Auf seinem Bild „Jäger im Schnee“ aus dem Jahr 1565 (vgl. Abb. 1), das auch unter den Namen „Die Heimkehr der Jäger“, „Januar“ oder „Jänner“ bekannt ist, liefert der niederländische Maler Pieter Bruegel der Ältere den ersten bildlichen Beweis für die Ausübung dieses Sports in Mitteleuropa.

 

Abb. 1: "Jäger im Schnee" von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahre 1565

 

Da zum Eisschießen außer einer Eisfläche, einem Eisstock, etwas freier Zeit und ein paar Mitspielern keine große Ausrüstung notwendig war, konnte jeder diesem Vergnügen nachgehen und so kannte und kennt dieser Volkssport keine gesellschaftlichen Grenzen. Obwohl lange nur Männer dem Eisstocksport nachgingen, kam es zu einer immer größer werdenden Beigeisterung in der Bevölkerung und so entdeckten auch bald Frauen und die Jugend das Eisstockschießen für sich. Im Jahr 1875 wurde schließlich der erste Eisschützenverein der Welt, die „1. Bürgerliche Eisschützengesellschaft Eisenerz“ gegründet. Anfang der 20er Jahre vollzog sich endgültig der Wandel vom Volksbrauch und Gesellschaftsspiel hin zu einem anerkannten Sportspiel. Das erste Regelwerk wurde schließlich 1921 herausgegeben.

Ein Meilenstein in der Geschichte des Eisstocksports wurde im Jahr 1936 gesetzt. Bei den Olympischen Spielen in Garmisch-Partenkirchen war das Eisschießen olympischer Vorführwettbewerb. Auf dem Riessersee beteiligten sich an den Wettkämpfen jeweils drei Mannschaften aus Deutschland und Österreich, sowie zwei Mannschaften aus der Tschechoslowakei.

Der 2. Weltkrieg setzte der positiven Entwicklung des Eisstocksports ein jähes Ende und der Wiederbeginn in den Nachkriegsjahren war schwierig und steinig. Mit der Gründung des Internationalen Eisschieß-Verbandes (IEV) am 30. Juli 1950 kam jedoch die Wende. Im Jahre 1951 wurden die ersten Europameisterschaften in Garmisch-Partenkirchen ausgetragen. Anschließend und vor allem in den 1960er Jahren stiegen die Mitgliederzahlen rasant an. Zu dieser Zeit verzeichneten nur die Tennisverbände einen ähnlich hohen Mitgliederzuwachs. Auch außerhalb der Nationen Deutschland und Österreich setzte sich der Siegeszug des Eisschießens fort. Der Internationalen Föderation Eisstocksport (IFE), welche aus der IEV herausging, gehörten 1979 bereits 15 Staaten an, aktuell sind es 32. Seit 1983 werden auch Weltmeisterschaften veranstaltet.

 

 

Der Eisstock

 

Ein Eisstock setzt sich aus drei Teilen zusammen: Stockkörper, Stiel und Laufsohle, die miteinander kraftschlüssig verschraubt werden können (vgl. Abb. 4). Diese Konstruktion erlaubt das Wechseln einzelner Komponenten, da diese normiert und damit auch Produkte verschiedener Hersteller miteinander kompatibel sind.

 

Abb. 4: Fotos und Konstruktionszeichnungen der drei Bestandteile eines Eisstocks: Stockkörper, Stiel und Laufsohle (IER, 2006)

 

Stockkörper

Der Stockkörper „besteht aus einem Stahlring, einer in den Stahlring eingepressten Zwischenplatte und einer mit der Zwischenplatte und dem Stahlring fest verbundenen Haube, […]“ (IER, 2006, S. 15)  In der Mitte besitzt er eine Bohrung, durch die der Stiel fest mit der Laufsohle verschraubt werden kann. Ein Eisstock hat einen Durchmesser von 271-274,5 mm und wird in vier unterschiedlichen Gewichtsklassen hergestellt:

Typ E 2730-2780 g

Typ P 3500-3530 g

Typ L 3700-3730 g

Typ M 3800-3830 g

 

Stiel

Der durch die Bohrung des Stockkörpers gesteckte Stiel kann mit der Laufsohle über ein Gewinde fest verschraubt werden. Die Länge des Stiels muss zwischen 234 und 340 mm betragen. Die Griffform kann jeder Spieler individuell wählen.

 

Laufsohle

Eine Laufsohle besteht aus einer Grundplatte, in der das Gewinde eingebracht ist und einem Laufsohlenbelag. Es gibt Kunststofflaufsohlen für Sommersportböden und Gummilaufsohlen für den Sportboden Eis, die jeweils in unterschiedlichen Härtegraden hergestellt werden und somit unterschiedliche Gleiteigenschaften aufweisen.

 

 

 

Disziplinen im Eisstocksport


Im Eisstocksport gibt es mehrere Disziplinen, die teils als Mannschaft bestritten werden oder Einzeldisziplinen sind. Grundsätzlich lässt sich zwischen dem zielorientierten Mannschaftsbewerb und seinen Abwandlungen und dem weitenorientierten Weitenbewerb unterscheiden. Diese Unterscheidung ergibt sich nicht zuletzt aus den beiden völlig verschiedenen Bewegungsabläufen bei der Versuchsabgabe.

 

Der  Mannschaftsbewerb


Das Eisschiessen ist seit jeher ein Mannschaftssport, bei dem zwei Mannschaften gegeneinander antreten. Das Ziel des Spiels besteht darin, mit einem Eisstock die Bestlage zum Zielobjekt, der „Daube“, zu erreichen. Wie Abb. 2 zeigt, ist die Daube ist ein „dickwandiger Gummiring mit einer profilierten Gleitseite […] für den Sportboden Eis, […] und einer glatten Gleitseite für Sommersportböden.“ (IER, 2006, S. 17) Ihren Namen erhielt die Daube von den Fassdauben der Braufässer, aus denen die Brauknechte sie anfangs ausschnitten.

 

Abb. 2: Größenvergleich eines Eisstocks und einer Daube

 

Das Spielfeld besteht aus zwei sich gegenüberliegenden Zielfeldern mit einer Abmessung von 3x6 m. In der Mitte jedes Zielfelds befindet sich das Mittelkreuz auf dem die Daube liegt. Der Abstand zwischen Abspielstelle und dem gegenüberliegenden Zielfeld beträgt 24,5 m (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Schema eines dem aktuell gültigen Regelwerk entsprechenden Spielfelds (IER, 2006)

 

Bei einem Spiel treten zwei Mannschaften mit je vier Spielern gegeneinander an. Ein Spiel besteht aus sechs Durchgängen, die „Kehren“ genannt werden. Jeder Spieler hat einen Eisstock, mit dem er je Durchgang einen Versuch abgeben muss. Eine Mannschaft beginnt eine Kehre und spielt den ersten Versuch ins Spielfeld. Nun muss die gegnerische Mannschaft so lange spielen, bis sie die Bestlage zu Daube erreicht hat. Erst dann wechselt das Spielrecht wieder. Es müssen in jedem Durchgang alle acht Spieler ihre Versuche abgeben. Anschließend wird ein Zwischenergebnis festgestellt. Die Zwischenergebnisse der sechs Kehren ergeben abschließend das Endergebnis.

 

Der Zielbewerb

 

Wie bereits der Name vermuten lässt, müssen hier bestimmte Ziele getroffen werden. Zielbewerbe und Mannschaftsspiele werden auf der identischen Wettbewerbsbahn ausgetragen. Bei ersterem sind im Zielfeld lediglich verschiedene zusätzliche Markierungen aufgebracht (vgl. Abb. 5).

 

 

Abb. 5: Schema eines dem aktuell gültigen Regelwerk entsprechenden Zielfelds für den Zielbewerb (IER, 2006)

 

Dieser Wettbewerb ist eine Einzeldisziplin und setzt sich aus vier Durchgängen zusammen, in denen der Spieler unterschiedliche Aufgaben erfüllen muss. Pro Durchgang hat ein Spieler sechs Versuche und kann dabei maximal 60 Punkte erreichen. Die Höchstpunktezahl beträgt somit 240 Punkte. Der Spieler mit der höchsten Endpunktzahl gewinnt den Wettbewerb. Erreichen mehrere Spieler die identische Endpunktzahl gewinnt der, der im 4. Durchgang die höhere Punktezahl erreicht hat. Jeder Spieler erhält vor einem Wettkampf eine Einspielzeit von maximal acht Minuten.

Im ersten Durchgang muss mit dem Eisstock möglichst nahe an die, auf dem Mittelkreuz befindliche Daube gespielt werden. Wie Abb. 5 zeigt, sind um das Mittelkreuz fünf Kreise aufgezeichnet, welche verschiedene Wertigkeiten besitzen. Je nachdem welcher Kreis erreicht wird, hierfür ist die vertikale Projektion des Stahlrings ausschlaggebend, erhält der Spieler Punkte. Der innerste Ring zählt zehn Punkte, nach außen nimmt die Punktezahl je Ring um zwei ab. Kommt der Eisstock nicht in den Ringen zum Stillstand, erhält der Spieler null Punkte.

In Durchgang 2 muss ein Zielstock, der in verschiedenen markierten Kreisen aufgestellt wird, aus dem Zielfeld befördert werden. Dabei soll der Zielstock das Zielfeld verlassen, der Stock des Spielers darin verbleiben. Die Kreise sind mit verschiedenen Buchstaben bezeichnet. Der Zielstock wird zuerst in den Kreis A gestellt und dann gemäß dem Alphabet nacheinander in die restlichen fünf Kreise. Je nach Ausführung werden wie folgt Punkte verteilt:

10 Punkte: der Zielstock wird aus dem Zielfeld befördert und der Stock des Spielers verbleibt im Zielfeld

5 Punkte: beide Stöcke verlassen das Zielfeld

2 Punkte: der Zielstock wird zwar berührt, verlässt aber nicht das Zielfeld

0 Punkte: der Zielstock wird nicht getroffen

Durchgang 3 ist dem ersten Durchgang ähnlich, hier muss aber in die hinteren Zielringe gespielt werden. Die Daube liegt innerhalb des kleinsten Kreises. Zuerst werden drei Versuche, aus Sicht des Spielers, auf der linken Seite abgegeben, dann drei auf die rechte Seite. Die Punktewertung erfolgt wie in Durchgang 1.

Den Schluss bildet der schwierigste Teil, das Kombinieren. Bei den beiden ersten Versuchen, auf die Zielstöcke in den Kreisen A und B, versucht der Spieler seinen Eisstock am Zielstock so abzulenken, dass der Spielstock in den mittleren Zielringen, möglichst nahe an der Daube, zum Stehen kommt. Gewertet wird entsprechend der erreichten Zielringe wie in Durchgang 1 und 3. Im dritten und vierten Versuch müssen die Zielstöcke G und H so getroffen werden, dass sie in die mittleren Zielringe gleiten. Die Punktevergabe erfolgt in diesen vier Versuchen entsprechend der Ringwertigkeit. Bei den beiden letzten Versuchen auf die Zielstöcke E und F muss der Zielstock so getroffen werden, dass er in die hinteren Zielringe gleitet, wobei der Spielstock in den Ringen verbleiben soll. Die Wertung erfolgt auch hier je nach Erreichen der Zielringe.

 

Der Weitenbewerb

 

Diese Einzeldisziplin des Eisstocksports unterscheidet sich sehr stark vom Mannschaftsspiel. Der Weitenwettbewerb ist mehr mit leichtathletischen Wurfdisziplinen, wie Diskus-, Hammer oder Speerwurf zu vergleichen. Der Weitenwettbewerb ist der älteste Einzelwettbewerb im Eisstocksport. Anfang der 1920er Jahre fanden erste Wettkämpfe statt. Weitenwettbewerbe werden auf einer trichterförmigen Spielfläche ausgetragen. Die Wettbewerbsbahn für den Sportboden Eis ist etwas breiter als die Sommerbahn. Am Abspielpunkt ist die Winterbahn 4 m und bei der 100-Meter-Marke 8 m breit (vgl. Abb. 6), während die Sommerbahn am Abspielpunkt 2,5 m und bei der 100-Meter-Marke 5,5 m Breite misst. Die Bahn kann unter Beibehaltung des Öffnungswinkels beliebig verlängert werden.

 

Abb. 6: Schema einer dem aktuell gültigen Regelwerk entsprechenden Weitenbahn für den Sportboden Eis (IER, 2006)

 

Ein Wettbewerb besteht aus fünf Durchgängen, pro Durchgang hat jeder Spieler einen Versuch. Der Spieler mit dem weitesten Versuch gewinnt den Vergleich. Bei gleicher Weite mehrerer Sportler entscheidet der bessere zweitbeste Versuch. Der Eisstock muss von der Standvorrichtung, die sich an der Abspielstelle befindet, ohne Anlauf abgespielt werden. Er darf nur auf der Laufsohle gleiten. Versuche, bei denen der Eisstock auf dem Stahlring rollt sind ungültig. Gewertet werden nur die Versuche, die sich innerhalb der seitlichen Begrenzungslinien bewegen. Verlässt ein Eisstock die Spielfläche über die seitlichen Begrenzungslinien, wird die Weite bis zu dem Punkt gemessen, an dem der Stock mit gesamtem Umfang die Bahn verlassen hat.

Der Veranstalter eines Wettbewerbs muss zwei Stockkörper sowie zwei Laufsohlen vom identischen Typ bereitstellen. Jeder Spieler verwendet denselben Stockkörper und dieselbe Laufsohle nur der eigene Stiel darf verwendet werden.

 

Quellen:

 

- Gdynia, K., List, E. (1981): Eisstockschießen. Technik, Kondition, Taktik, München

- International Federation Icestocksport (Hrsg.) (2006): Offizielles Regelbuch, Internationale Eisstock-Regeln (IER), Internationale Spiel-

  Ordnung (ISpO), 7. Auflage, Mannheim

- Internationale Föderation Eisstocksport (Hrsg.), Wernbacher, Kurt (Verf.), 1950-2000 – 50 Jahre Internationale Föderation Eisstocksport,

  o.O., 2000

- Jeschko, K. (1971): Eisschiessen. Sport, Vergnügen, Erholung, Salzburg

- Landeseisstockverband Wien (Hrsg.), Sorger, A. (Verf.) (2006): 70 Jahre Landeseissstockverband Wien 1936-2006, Wien

- Maegerlein, H. (1986): Faszination Eissport. 100 Jahre Eissport, München

- Neubronner, W. (1961): Der Eisschiess-Sport, 3. Auflage, Fulda

- Wernbacher, K. (1995): Gewinnen beim Eis- und Stocksport, Düsseldorf

 

 

© Markus Pfaffinger, 2011

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